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Home Alone: Sechs Wochen im Homeoffice – ein Erfahrungsbericht

Auch wer seinen Job sehr mag, hat in normalen Zeiten manchmal einfach keine Lust aufs Büro. Ist einfach so, wird auch dem Chef so gehen.
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Arbeitsminister Hubertus Heil sehen wir derzeit fast täglich im Fernsehen. Für ihn ist jetzt vermutlich jene Zeit, die später in seinen Memoiren das dickste Kapitel abgeben wird. Mehr Aufregung war nie. Mehr Chancen für Veränderungen auch nicht. Sein jüngster Vorstoß: Er möchte aus der Coronakrise dauerhaft etwas mitnehmen, ein Gesetz für ein Recht auf Homeoffice. Der unfreiwillige Digitalisierungsbeschleuniger „Coronakrise“ könnte also in naher Zukunft auch mir neue Möglichkeiten eröffnen. Aber will ich sie? Ein subjektives Fazit aus sechs Wochen Homeoffice…

Sehnsuchtsort Büro

Mein erster Impuls bei der Einführung der Homeoffice-Regelung für Mitarbeiter, die nicht so dringend im Office benötigt werden wie die Kollegen, die dringend im Office benötigt werden: „Toll, das entspannt alles!“ Keine Fahrtzeit, das eigene Kind in Griffnähe und wenn es hart auf hart kommt, kann man auch mal in der Jogginghose am Rechner sitzen. Hauptsache, die Frisur sitzt! Sechs Wochen später kann ich hingegen dem Modell „Homeoffice“ nur noch wenig abgewinnen. Denn: Wer, wie der Autor dieses Beitrags, keinen – nennen wir es flapsig – „it-systemkritischen“ Beruf hat, sitzt seit Wochen daheim und mäandert lediglich zwischen Schreibtisch, Kinderzimmer und Kühlschrank hin und her. Das Büro wird zum Sehnsuchtsort, zum Arkadien des Telearbeiters.

Ein Lob auf die Struktur

Homeoffice ist zuerst und vor allem eine Übung in Selbstdisziplin. Jede Form von Verwahrlosung beginnt stets mit dem stückweisen Verlust von Struktur. Um diese Struktur nicht zu verlieren, haben wir bei AMTANGEE zwei massive Pflöcke in den Tagesablauf geschlagen: eine Videokonferenz am Morgen, eine am Abend. Und es gibt den Chat, über den natürlich vor allem fachliche Fragen erörtert werden, manchmal aber auch nur Nonsens. Nonsens ist wichtig in diesen Tagen, sehr wichtig sogar. Hinzu kommen ein paar Regeln, die man sich selbst auferlegt. Hier meine Lessons learned:

Bloß keine Gemütlichkeit aufkommen lassen!

Klar ist es schön, den ganzen Tag in Jogginghose zu verbringen, ratsam ist es aber nicht. Oder mit den Worten von Karl Lagerfeld: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Am besten man verhält sich so, als wäre man im Büro. Pünktlich sein, sortieren, fokussieren – und los!

Kein Multitasking!

Was im Büro nicht geht, geht auch daheim nicht. Nebenbei die Lieblingsserie schauen, das Mittagessen vorbereiten oder die Spülmaschine ausräumen? Funktioniert nicht! Oder die Kinder am eigenen Schreibtisch platzieren? Funktioniert auch nicht! Besser etwas länger arbeiten, Pausen selbst sinnvoll planen – um dann später mit voller Aufmerksamkeit bei den familiären Pflichten zu sein.

Wider die Prokrastination!

Jeder Arbeitnehmer mit Kindern kennt den durchgetakteten Morgen. Warum jetzt nicht einmal entspannt mit der Familie frühstücken, irgendwann Zähne putzen, am späten Vormittag mit der Schularbeit beginnen? Bloß nicht! Normalität bewahrt, wer Normalität lebt.

Arbeiten wie bisher!

Klar, ich könnte auch im Bett schreiben, produktiv ist das aber nicht. Ich habe mir einen eigenen Schreibtisch fürs Homeoffice hergerichtet, das ist jetzt mein Büro. Dahin gehe ich am Morgen. Und abends schalte ich den Rechner wieder aus und verlasse mein Büro. Klare Grenzen, klarer Kopf.

Ein Lob auf die Kollegen

Auch wer seinen Job sehr mag, hat in normalen Zeiten manchmal einfach keine Lust aufs Büro. Ist einfach so, wird auch dem Chef so gehen. Jetzt hingegen, sechs Wochen nach dem Tag X, ist das Büro ein ferner Sehnsuchtsort. Ich vermisse meine Kollegen, das „Moin!“ am Morgen, die kleinen Frotzeleien in der Küche. Wir alle sind soziale Wesen – und Kollegen damit eben mehr als nur Kollegen. Sie sind die Begegnungen, die jeden Arbeitstag angenehm grundieren. Auch das fehlt jetzt.

Ob ich ein Gesetz für ein Recht auf Homeoffice befürworten würde? Schwer zu sagen. Meine persönliche Sicht: Ich würde jetzt lieber im Büro sein. Kollaborative Tools hin oder her, im Grunde geht es beim Homeoffice-Gesetz um ein Recht auf weitere Vereinzelung. Aus psychologischer und soziologischer Sicht kann das schon längst nicht mehr erstrebenswert sein. Aber: In Gesetzesform gegossen, würde daraus auch ein gesteigertes Verständnis für die mannigfaltigen Herausforderungen sprechen, mit denen Eltern tagtäglich konfrontiert sind. Und dann, irgendwann in ungewisser Zukunft, würde ich mich über einen Tag im Homeoffice freuen. Aber nicht im Augenblick.

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