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Was ist Digitalisierung?

Was versteht man eigentlich unter Digitalisierung? Wir geben die Antwort und erklären, warum kein Weg daran vorbeiführt.
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Erinnern Sie sich noch an das Jahr 2007? Damals präsentierte Steve Jobs das erste Apple iPhone, nur ein Jahr später machte Googles Android-System das Smartphone für die Massen erschwinglich, und wenige Jahre später war gesellschaftliche Teilhabe ohne Smartphone kaum noch vorstellbar. Die Digitalisierung verändert Menschen und Märkte wie zuletzt nur die Industrialisierung. Und sie tut das in atemberaubender Geschwindigkeit.

Mit neuen Technologien entstehen und vergehen immer wieder neue Geschäftsmodelle – und Unternehmen. Als eines der bekanntesten Opfer der Digitalisierung gilt Kodak. Einst Weltmarkführer in Fotobedarf, verpasste der US-Konzern zu Beginn der 2000er Jahre den Siegeszug der Digitalfotografie und ging 2011 in die Insolvenz. Danach blieb nur noch die Druckersparte am Markt. Ironische Pointe: Steven J. Sasson, damals Ingenieur bei Kodak, hatte 1975 die erste Digitalkamera der Geschichte konstruiert. Das Unternehmen entschied sich dennoch gegen die Digitalfotografie, weil es eine Gefahr für sein Geschäftsmodell mit analogen Farbfilmen sah.

Digitalisierung ist kein "nice to have", Digitalisierung ist eine Frage des Überlebens und des Erfolgs. Auch weil in Unternehmensbewertungen längst auch der Grad der Digitalisierung einfließt. Als Dauergewinner der Digitalisierung gilt Apple. Das Unternehmen prägte über Jahrzehnte den Markt mit Innovationen, die sich vor allem durch eines auszeichneten: Eine bedingungslose Orientierung am Nutzen für den Kunden. Zu den Innovationen von Apple zählen etwa das Musik-Streaming (iTunes), das Smartphone (iPhone) oder das Tablet (iPad).

Was versteht man unter Digitalisierung?

Spricht man eigentlich von Digitalisierung oder von digitaler Transformation? Die Gelehrten streiten tatsächlich darüber, welcher Begriff für welchen Sachverhalt angemessener ist. In der politischen und wirtschaftlichen Diskussion werden die beiden Begriffe hingegen synonym verwendet. Deshalb wollen wir das hier auch tun. Wir können mindestens drei Dimensionen der Digitalisierung unterscheiden:

1. Digitale Produkte und Geschäftsmodelle

Unter digitalen Produkten versteht man digitale oder datenbasierte Angebote und Dienste. Ohne E-Commerce geht heute – fast – nichts mehr. Dabei kann es sich bei dem Geschäftsmodell eines Unternehmens um rein digitale Angebote handeln, wie etwa im Fall von digitalen Medien. Es kann sich aber auch um digitale Angebote handeln, die im Zusammenhang mit physischen Produkten und Angeboten stehen. So bieten Flixbus oder Airbnb jeweils nur digitale Buchungsdienste. Dahinter stehen analoge Leistungen (Reisen, Übernachten). Im Regelfall laufen die Prozesse hinter diesen Diensten automatisiert ab, also ohne direkte Beteiligung von Menschen.

2. Digitale Prozesse

Wenn wir von Digitalisierung sprechen, geht es fast immer um Prozesse: Inwieweit analysiert und steuert ein Unternehmen mit datenbasierten Werkzeugen? Digitale Prozesse entscheiden wesentlich über die Einteilung von Unternehmen nach verschiedenen Reifegraden der Digitalisierung:

So weisen Unternehmen einen niedrigen Reifegrad auf, wenn sie sich durch datenbasierte Informationen einen Überblick über ihre Prozesse bilden können, etwa durch Daten über Lagerbestände, Bestellungen oder Ressourceneinsätze.

Einen hohen Reifegrad zeigen Unternehmen dann, wenn sie darüber hinaus nicht nur komplette Prozesse als integrierte Datenmodelle abbilden können, sondern ihr Geschäft damit auch steuern können. Etwa mit Hilfe von ERP-Systemen (Enterprise Ressource Planning).

3. Digitale Vernetzung

Digitale Vernetzung bildet DIE Grundlage für Industrie 4.0 und das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Schon heute plant KI die Routen für Lieferdienste und Speditionen. Droht ein Stau, leitet das System den Fahrer automatisch auf eine schnellere Route um. Droht eine Panne, melden das Sensoren im Fahrzeug dem nächstgelegenen Service Point mit geeigneten Ersatzteilen.

Wenn wir uns das Unternehmen als Schiff vorstellen, findet die digitale Planung auf der Brücke statt. Die digitale Vernetzung ist der Schlüssel zum Maschinenraum. Sie weist gleichzeitig über das Unternehmen hinaus: Wie gut ist das Unternehmen mit seinen Lieferanten, Kunden, Geschäftspartnern und Dienstleistern digital vernetzt?

Entwicklung der Mitarbeiter

Bei der Digitalisierung geht es um mehr als Technologie und Software. Die Digitalisierung beendet das Ideal der Trennung zwischen dem Denken und dem Handeln, das die Industrialisierung bestimmt hat. Eine Digitalstrategie erfordert kontinuierliche Investitionen in die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden. Sie sind es, die den neuen Prozess einhalten müssen. Sie sind es, die mit dem neuen ERP- oder CRM-System arbeiten müssen. Wichtig dabei: Das Team muss nicht nur wissen WAS es zu tun hat, sondern auch WARUM. Das erfordert neue Formen der Führung mit flacheren Hierarchien.

Der digitale Reifegrad

Wie es im Unternehmen um die Digitalisierung bestellt ist, zeigt der digitale Reifegrad an. Es gibt für die Bewertung des digitalen Reifegrads eines Unternehmens keinen festen Standard und keine allgemeingültigen Kriterien.

Der Reifegrad der Digitalisierung in einem Unternehmen bezieht sich auf das Ausmaß, in dem digitale Technologien und Prozesse in den Geschäftsbetrieb integriert wurden. Ein Unternehmen kann sich auf verschiedenen Stufen des Digitalisierungsreifegrads befinden, und diese Stufen können je nach Branche und Unternehmensgröße variieren. Im Allgemeinen gibt es vier Hauptstufen des Digitalisierungsreifegrads:

  • Stufe 1: Ad-hoc- oder Anfangsphase der Digitalisierung: In dieser Phase verwenden Unternehmen digitale Technologien nur sporadisch oder in begrenztem Umfang. Dies können einfache Online-Präsenzen, E-Mail-Kommunikation und grundlegende Softwareanwendungen sein. Es gibt keine umfassende Strategie für die Digitalisierung.
  • Stufe 2: Fragmentierte Digitalisierung: Unternehmen in dieser Phase setzen in vielen Bereichen digitale Technologien ein. Sie tun dies aber oft unkoordiniert und ohne einheitliche Strategie. Diese Insellösungen arbeiten oft nicht gut zusammen.
  • Stufe 3: Integrierte Digitalisierung: Auf dieser Stufe haben Unternehmen eine koordinierte Strategie für die Digitalisierung entwickelt. Prozesse und Systeme sind besser integriert, und Daten werden effektiver genutzt. Es gibt oft eine klare Roadmap für die weitere Digitalisierung.
  • Stufe 4: Fortgeschrittene Digitalisierung und Transformation: Unternehmen auf dieser Stufe haben eine umfassende Digitalisierungsstrategie umgesetzt. Digitale Technologien und Prozesse sind tief in die Unternehmenskultur und -struktur eingebettet. Es gibt eine starke Fokussierung auf die Nutzung von Daten und Analytik für fundierte Geschäftsentscheidungen.

Digitalisierung dokumentieren

Wichtig: JEDES Unternehmen sollte den Stand seiner Digitalisierungsbemühungen ermitteln und dokumentieren. Nur so können Unternehmen feststellen, wie gut sie im Wettbewerb aufgestellt sind. Daraus wiederum können Unternehmen erkennen, wo der digitale Handlungsbedarf am größten ist. Im Endergebnis braucht jedes Unternehmen eine Digitalisierungsstrategie. Und zwar aus drei Gründen:

  1. Leitlinien für die Belegschaft: Bei allen Digitalisierungsmaßnahmen müssen alle Mitarbeitenden mitziehen. Eine transparente Digitalstrategie dient dabei als Roadmap für alle Beteiligten.
  2. Wettbewerbsbeobachtung: Wer seinen eigenen Status kennt, kann auch einschätzen, wo er im Vergleich zu direkten Wettbewerbern steht.
  3. Unternehmensbewertung: Kapitalgeber schauen sich ein Unternehmen genau an, bevor sie das Scheckbuch zücken. Eine dokumentierte Digitalstrategie zeigt, dass ein Unternehmen sich seiner Herausforderungen bewusst und gut für die Zukunft aufgestellt ist.

Eine Reihe von Kompetenzzentren helfen auch kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) bei der Ermittlung ihres digitalen Reifegrades und bei der Erstellung einer Digitalstrategie. In Brandenburg gibt es dafür beispielsweise das Digitalwerk. Ihre zuständige IHK empfiehlt Ihnen gern Angebote in Ihrer Region.

Mit der Rolle von Software für die Digitalisierung befassen wir uns in weiteren Beiträgen einer kleinen Serie über die Digitalisierung.

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